Aktive Wehr
Landkreis Harburg erster Landkreis in Niedersachsen mit eigenem Tierseuchenbekämpfungszug
"Vogelgrippe"; ein Schlagwort, das derzeit in aller Munde ist und sich in Europa ausbreitet. Tierseuchen sind kein Tabuthema mehr, und nicht nur die Vogelgrippe ist eine Bedrohung, auch andere Tierseuchen wie Schweine- und Geflügelpest oder die Maul- und Klauenseuche (MKS) sind eine Bedrohung für die Zivilisation. Der Landkreis Harburg hat diese Gefahr schon lange erkannt und als erster Landkreis in Niedersachsen einen Tierseuchenbekämpfungszug ins Leben gerufen. Die Aufgabe wurde dabei den Feuerwehren des Landkreises Harburg übertragen. Bestehend aus den Mannschaften samt vier Einsatzfahrzeugen der Feuerwehren Lübberstedt und Putensen (Gem. Salzhausen), Bötersheim (Gem. Tostedt) und Stöckte (Stadt Winsen) ist der von Tostedts Gemeindebrandmeister Joachim Vobienke und Wilhelm Peters aus Bötersheim geleitete Spezialeinsatzzug der Kreisfeuerwehr seit eineinhalb Jahren im ständigen Übungsdienst, um die Erstmaßnahmen im Falle eines Auftretens von Tierseuchen zu proben. Seit dem vergangenen Wochenende nun ist der Einsatzzug einsatzbereit. Im Alarmfall kommt es dabei zu einer Art Rendevouz-System. Das Personal der vier Feuerwehren sowie die vier Tragkraftspritzenfahrzeuge fahren von ihren Standorten den jeweiligen Einsatzort bzw. das ggf. schon ausgewiesene Sperrgebiet an. Schon beim Auftreten eines Verdachtsfalles wird der Einsatzzug „Tierseuchenbekämpfung" alarmiert. Das Material des Zuges wird von einem Trägerfahrzeug des Landkreises Harburg zu dem jeweiligen Punkt verbracht. Mit diesem material können sechs identische Schleusen zum Dekontaminieren von Fahrzeugen aufgebaut werden. „Dabei wird eine Schleuse direkt am betroffenen Objekt aufgebaut, fünf weitere können an festgelegten Punkten eines ausgewiesenen Sperrgebietes aufgebaut werden", erläuterte Joachim Vobienke bei der offiziellen Indienststellung des Zuges. Alle sechs Schleusen sind absolut identisch mit einer Durchfahrt für Fahrzeuge samt aufgebauter Entgiftungsbrücke. Im Jahre 2001 hatte der Landkreis Harburg zehn dieser Schleusen beschafft, vier wurden mittlerweile an andere Landkreise abgegeben. Für die Erstmaßnahmen stehen neben dem in Boxen und auf Paletten verstauten Materialien auch 480 Liter Ameisensäure zur Verfügung, diese wird auf 1 Prozent in Wasser verdünnt über die Entgiftungsbrücken abgegeben. Pro Schleuse steht für die Erstmaßnahmen ein Behälter mit 80 Prozent Ameisensäure zur Verfügung. Mit einer Spezialpumpe wird das Wasser-Säure Gemisch in die Entgiftungsbrücke abgegeben, die eigentliche Dekontamination kann beginnen. Zudem steht auch ein Hochdruckreiniger für die Personendekontamination zur Verfügung. „Fünf weitere Pumpen sowie Hochdruckreiniger können wir binnen kurzer Zeit in Baumärkten besorgen", betont Wilhelm Peters. Für den Einsatzfall haben die im ersten Abmarsch anrückenden 25 Feuerwehrkräfte eine relativ kurze Vorlaufzeit. Insgesamt drei Stunden benötigen die Helfer nach eigenen Angaben, um die Schleusen beginnend von der Alarmierung einsatzbereit zu haben. „Man muss immer bedenken, dass der Aufbau von solchen Schleusen dabei ein großer Einschnitt in die persönlichen Belange der Menschen sind, die in dem jeweiligen Sperrbezirk leben und arbeiten", so Joachim Vobienke. Durch die diversen Übungen beherrschen die Feuerwehrkräfte den Aufbau der Schleusen mittlerweile mit einer traumhaften Präzision. Eigens für den Zug stehen zwei Sorten von Schutzanzügen bereit, die im Einsatzfall getragen werden müssen. Auch diese sind, wiue die restlichen Materialien zentral gelagert und werden im Einsatzfall an die Einsatzstellen transportiert. Der Tierseuchenbekämpfungszug soll, so sieht es das ausgetüftelte Einsatzkonzept vor, nur für die Erstmaßnahmen eingesetzt werden. Schleusenaufbau und erste Arbeiten an den Schleusen obliegen den Tierseuchenspezialisten der vier genannten Feuerwehren, alle Anschlussarbeiten sollen vom Landkreis Harburg weiter verteilt und koordiniert und werden.„Wir wünschen uns niemals einen Ernstfall, aber ich denke, dass wir gerüstet sind" betonte Vobienke bei der Indienststellung des neuen Einsatzzuges. Das Konzept des Tierseuchenbekämpfungszuges findet mittlerweile in Niedersachsen Interesse, in mehreren Landkreisen soll das Konzept vom beratenden Mitarbeiter des Landkreises Harburg, Uwe Stoef, vorgestellt und die Einsatztaktiken erläutert werden.
Foto : Einsatzkräfte und Fahrzeuge der Feuerwehren Bötersheim, Lübberstedt, Putensen und Stöckte bilden den neuen Tierseuchenbekämpfungszug.
Bericht: Matthias Köhlbrandt, KPW Harburg
Bild: Matthias Köhlbrandt, KPW Harburg